FAZ 19.07.2026
15:57 Uhr

Sturz aus Zug: Nach Attacke auf Bahnmitarbeiter: Haftbefehl abgelehnt


Nach einem Streit stürzt ein Bahnmitarbeiter aus einem Zug und wird schwerst verletzt. Gegen einen Fahrgast wird Haftbefehl beantragt – vergeblich. Dabei war der Mann kein unbeschriebenes Blatt.

Sturz aus Zug: Nach Attacke auf Bahnmitarbeiter: Haftbefehl abgelehnt

Nach einer fatalen Attacke auf einen Bahnmitarbeiter, der aus einem fahrenden Zug stürzte und in Lebensgefahr schwebt, ist ein 36 Jahre alter Fahrgast wieder auf freiem Fuß. Gegen den wegen Gewaltdelikten vorbestraften Mann war Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung beantragt worden. Das Amtsgericht lehnte den Erlass des Haftbefehls ab, wie die Staatsanwaltschaft am Abend mitteilte. Schon früher sei der 36-Jährige wegen Gewaltdelikten strafrechtlich in Erscheinung getreten und war nur auf Bewährung frei, hieß es weiter. Er soll bei dem Vorfall betrunken und im Zuge einer Ticketkontrolle in eine gewaltsame Auseinandersetzung mit dem 26 Jahre alten Sicherheitsmann der Deutschen Bahn verwickelt gewesen sein. Nach dem Vorfall war er vorläufig festgenommen worden – und ist nun wieder frei. Ein Überwachungsvideo der Bahn hat nach Angaben des Amtsgerichts Karlsruhe Zweifel am genauen Tatablauf aufkommen lassen. Das sei einer der Gründe, weshalb das Gericht den von der Staatsanwaltschaft beantragten Haftbefehl gegen den 36 Jahre alten Tatverdächtigen abgelehnt habe, teilte das Gericht mit. Nach Einschätzung des Haftrichters fehlte damit der für einen Haftbefehl notwendige dringende Tatverdacht. Zudem habe sich herausgestellt, dass der Beschuldigte entgegen den Angaben im Haftbefehlsantrag einen festen Wohnsitz habe, familiär gebunden sei und einer Vollzeitbeschäftigung nachgehe. Damit habe auch kein ausreichender Haftgrund wie Fluchtgefahr vorgelegen. Nach ersten Erkenntnissen soll der Beschuldigte den Bahn-Mitarbeiter am Freitagabend in einem Regionalzug angegriffen haben. Er habe seine Personalien nicht nennen und den Zug nicht verlassen wollen. Er schlug den Vorwürfen zufolge mit Fäusten auf den 26-Jährigen und trat ihn. Beide stießen mehrfach gegen die Tür, die dadurch, von den Beteiligten unbemerkt, beschädigt wurde und letztlich nachgab, wie es hieß. Der Bahnmitarbeiter stürzte durch einen Spalt nach draußen. Die Polizei war zu diesem Zeitpunkt schon alarmiert, beim nächsten Stopp des Zuges hätten Beamte zusteigen sollen. Dazu kam es aber nicht mehr – der Streit war da bereits eskaliert. Der 26-Jährige stürzte auf Höhe von Ettlingen-Bruchhausen aus dem Zug. Zu den technischen Hintergründen – also warum die Tür aus der Verankerung sprang – wurden noch keine Details bekannt. Der Zug, der auf dem Weg von Offenburg nach Karlsruhe gewesen war, wurde nach Worten der Staatsanwaltschaft vorübergehend beschlagnahmt und untersucht. „Eine neue, lebensgefährliche Dimension“ Die Bahn äußerte sich betroffen. „Wir verurteilen den Angriff am Freitagabend in einer Regionalbahn aufs Schärfste“, sagte eine Bahnsprecherin. „Unsere Gedanken sind bei dem Verletzten.“  Der schreckliche Vorfall zeige abermals auf dramatische Weise, „dass verbale und körperliche Übergriffe auf das Zugpersonal eine neue, lebensgefährliche Dimension erreicht haben“, sagte Manuel Amberger, Landesvorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). „Dass erneut einer unserer Kollegen nach einer einfachen Fahrkartenkontrolle im Krankenhaus um sein Leben ringen muss, macht uns fassungslos und wütend.“